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27. April 2026

Mobilität in der Schweiz: Schweizer Verkehr im Wandel

Die Schweiz ist ein Land in Bewegung. Täglich fahren Millionen Menschen zur Arbeit, zur Schule oder in die Freizeit. Dabei sind sie mit dem Auto, dem Zug, dem Bus oder dem Velo unterwegs. Gleichzeitig rollen Güter durch Tunnel, über Alpenpässe und Autobahnen, damit Regale und Werkhallen gefüllt bleiben. Die bisherigen Erfolge der Schweizer Mobilität, wie zum Beispiel das Projekt Bahn 2000, das Autobahnnetz oder die Landesflughäfen, prägen unseren Alltag. Dennoch sind noch viele Fragen offen für unsere Zukunft, die wir in diesem Blog anschauen werden.

Warum betrifft Mobilität uns alle?

Mobilität ist ein grundlegender Bestandteil unseres Alltags. Ohne funktionierende Verkehrssysteme stünde ein Land vor grossen Problemen. Man denke an die Menschen, die zur Arbeit müssen, an den Lastwagen oder den Gütertransport, der Supermärkte beliefert, oder an die Einsatzkräfte, die zu einem abgelegenen Ort ausrücken. Strassen, Schienen, Trottoirs und viele weitere Infrastrukturleistungen sorgen dafür, dass ein Land nicht stillsteht. Doch Mobilität beeinflusst weit mehr als nur den Weg von A nach B. Sie bestimmt, wie wir unseren Tag planen, wo wir wohnen, welche Arbeitsplätze wir erreichen und wie gut wir von Freizeit- und Bildungsangeboten profitieren können. In der Schweiz zeigt sich die Bedeutung der Mobilität besonders deutlich: Das Land ist eine der dichtesten Verkehrsdrehscheiben Europas und ein klassisches Pendlerland. Viele Menschen wohnen ausserhalb der Städte, arbeiten aber in deren Zentren.

Die Mobilität in Zahlen:

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Zahlen. Das Bundesamt für Strassen – kurz ASTRA – hat in einem Bericht gemessen, dass 2023 in der Schweiz rund 128 Milliarden Personenkilometer zurückgelegt wurden. Davon entfiel der grösste Anteil (über 90 Milliarden Personenkilometer) auf das Auto, beziehungsweise den motorisierten Individualverkehr. Auf den ÖV (Zug, Bus und Tram) entfielen fast 27 Milliarden Personenkilometer. Den Rest machen das Velo und die zu Fuss zurückgelegten Strecken aus. Zudem hat sich die Flächeneffizienz (in Personenkilometer) bei der Autobahn wie bei den Bahnen stetig verbessert, doch ist der Schienenverkehr nach wie vor deutlich weniger effizient als der Strassenverkehr.

Der wichtigste Verkehrszweck bleibt die Freizeit: Beispielsweise legen Zürcher:innen rund 44 % ihrer Tagesdistanz für Freizeitzwecke zurück, vor allem am Wochenende. Unter der Woche ist das Pendeln zur Arbeits- oder Ausbildungsstätte als zweitwichtigster Verkehrszweck, gefolgt vom Einkaufen (Kanton Zürich). Dies spiegelt sich auch in den ländlichen Kantonen wider. Im Kanton Thurgau sind Kinder und Jugendliche am mobilsten im Bereich der Freizeit.

Bundesamt für Strassen ASTRA, Bericht zu Verkehrsentwicklung und Verkehrsfluss 2024

Verkehrsleistung im Personenverkehr:

MIV: In- und ausländische Personenwagen, Motor- und Motorfahrräder, Privatcars

ÖV Strasse: Trolleybusse, Autobusse, Tram

Bahn: Normal- und Meterspurbahnen sowie Spezialbahnen

 

Bericht

Insbesondere die Nationalstrassen (Autobahn und Autostrasse) wurden laut dem ASTRA im Vergleich zu allen Schweizer Strassen erneut am stärksten genutzt. Fast 45 % der Fahrkilometer fanden auf 3 % der Nationalstrassen statt. Das bedeutet, dass sich der Strassenverkehr auf wenige sehr stark befahrene Strecken konzentriert – allen voran die A1 zwischen den Kantonen St. Gallen und Genf. Der Schweizer Automarkt verzeichnet weiterhin einen Rückgang. Von den rund 320’000 neu zugelassenen Fahrzeugen im Jahr 2025 sind nur etwa ein Drittel Diesel- oder Benzinfahrzeuge (Bundesamt für Statistik). Die Prognose der Automobilbranche zeigt, dass es weniger Neuwagenkäufe als vor der Pandemie gibt sowie weniger als im Vergleich zu 2024. Zudem sinken die Preise für Fahrzeuge leicht.

Bundesamt für Statistik, Neue Inverkehrsetzungen von Personenwagen nach Treibstoffart 2026

Der öffentliche Verkehr in der Schweiz ist im internationalen Vergleich preislich im Mittelfeld, bietet aber gleichzeitig eine sehr hohe Qualität. Verbesserungsbedarf gibt es laut einer Studie der LITRA (Informationsdienst für den öffentlichen Verkehr) vor allem bei Senior:innen und Gelegenheitsfahrenden, da diese im Verhältnis am meisten bezahlen. Zudem sind die Züge im Ausland oft schneller unterwegs, was die Attraktivität hierzulande etwas schmälert. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Finanzierung: Nur ein Teil der Kosten wird über die Billets gedeckt, der Rest kommt aus Subventionen, was die Kostentransparenz reduziert. Deshalb wird derzeit diskutiert, ob dieses Preismodell noch zeitgemäss ist und wie eine faire Preisgestaltung in Zukunft aussehen könnte.

Wer gestaltet Mobilität?

In die Gestaltung der Mobilität sind viele Akteure involviert. Der Bund legt den Rahmen der Verkehrspolitik fest, finanziert grosse Infrastrukturprojekte und bestimmt Fördermittel für Projekte, die der ganzen Schweiz zugutekommen. Die Kantone sind verantwortlich für den regionalen Strassenbau, die kantonale Verkehrsplanung und oft auch für weite Teile des Tram- und Busverkehrs. Auf kommunaler Ebene entscheiden Gemeinden unter anderem über Parkplätze und Tempozonen. Am Beispiel der Verkehrsplanung sieht man, wie das Prinzip des Föderalismus funktioniert.

Bei der Umsetzung hingegen spielen staatliche und private Unternehmen eine Rolle. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Mobilität in der Schweiz täglich funktioniert: Verkehrsunternehmen wie SBB, PostAuto oder regionale Anbieter betreiben das öffentliche Verkehrsnetz und stellen ein möglichst zuverlässiges, gut ausgebautes und auf verschiedene Regionen abgestimmtes Angebot bereit. Private Akteure, etwa aus der Autoindustrie, der Logistik, dem Bereich Car-Sharing oder der Mikromobilität (z. B. E-Scooter), bringen ihre Produkte und Technologien auf den Markt, um neue oder verbesserte Mobilitätsangebote bereitzustellen. Damit bieten sie Mobilität für den individuellen Gebrauch. Forschungseinrichtungen und NGOs liefern Denkanstösse, indem sie Studien und Modelle erarbeiten, um die Mobilität in der Zukunft neu zu gestalten und zu verbessern.

Welche Diskussionen werden derzeit in der Politik geführt?

Die Bedeutung dieses Themas spiegelt sich auch in der Politik wider. Beispielsweise durch Volksinitiativen wie «Zämme fahre mir besser» in Basel 2020, die «Velo-Initiative» in 2018, und die «Milchkuh-Initiative» in 2016, gibt es einen intensiven Diskurs rund um die zukünftige Ausgestaltung der Mobilität. Verkehrsfragen waren noch nie so wichtig für die Schweizer Bevölkerung wie heute. Laut Auto Schweiz fordern neun von zehn befragten Stimmberechtigten in erster Linie einen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und ein besseres Angebot im öffentlichen Verkehr.

In der Politik wird das Thema Mobilität stark von verschiedenen Parteien und Interessenverbände mobilisiert. Hier findest Du ausführliche Informationen zur Orientierungen der Parteien in den Bereichen Verkehrspolitik und Mobilitätsgestaltung.

Die SVP räumt dem Autobahnausbauprojekt höchste Priorität ein und beharrt auf Tempo 50.

Die FDP schliesst sich dem Autobahnausbau an, legt aber mehr Wert auf finanzielle Transparenz im öffentlichen Verkehr indem sie mehr Wettbewerb auf dem Markt fordert sowie technologische Verbesserungen vorantreibt.

Die Mitte legt besonderen Wert auf Barrierefreiheit im Verkehrsbereich und strebt mehr Innovation in diesem Sektor an.

Die EVP räumt dem Langsamverkehr Vorrang ein (z. B. durch Carsharing) und will die Möglichkeiten für die Arbeit im Homeoffice verbessern. Zudem will sie die Sicherheit im Strassenverkehr erhöhen und einen wettbewerbsfähigeren öffentlichen Verkehr schaffen.

Die GLP kritisiert, dass wir immer auf die gleiche Weise auf Verkehrsstaus reagieren: mit Ausbau. Sie setzt auf intelligente Systeme zur Verkehrssteuerung, flexiblere Arbeits- und Schulzeiten sowie eine differenzierte Preisgestaltung im Verkehr.

Auf der linken Seite des politischen Spektrums setzen sich die Grünen für eine nachhaltigere Mobilität mit dem Fahrrad, zu Fuss oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein und wollen den Verkehr in den Stosszeiten reduzieren.

Die SP stimmt mehrheitlich mit den Grünen überein, betont jedoch die Notwendigkeit einer weiteren Elektrifizierung des Verkehrs, indem Verbrennungsmotoren bis 2040 verboten sein sollen und eine CO2-Abgabe eingeführt werden soll.

Ausserhalb den traditionellen Parteien werben Verbände wie die VöV (Verband öffentlicher Verkehr) und die AGVS (Auto Gewerbe Verband Schweiz) um Projekte und Initiativen im Parlament. Auch verschiedene Klimaschutzorganisationen oder Unternehmen, welche um E-Technologien werben, machen sich sichtbar.

Bevorstehende politische Projekte im Bereich Mobilität:

Im Folgenden findest du einige Beispiele für aktuelle politische Projekte, die in den kommenden Jahren Einfluss darauf haben könnten, wie du zur Schule oder zur Arbeit kommst.

Bezüglich der Verkehrsplanung ist die Einführung der Tempo-Limite 30 auf kommunaler Ebene ein politisches Projekt, welches darauf abzielt, die Sicherheit in Gemeinden zu verbessern und sowohl die Auswirkungen auf das Klima als auch die Lärmbelastung zu verringern. Gegner:innen befürchten jedoch, dass eine Geschwindigkeitsreduzierung indirekt zu mehr Umweltverschmutzung führt (durch höheren Kraftstoffverbrauch bei geringeren Geschwindigkeiten) und der Verkehr zunimmt. Auf nationaler Ebene wird seit längerem über einen Ausbau der Nationalstrassen diskutiert. Befürworter:innen argumentieren, dass angesichts einer wachsenden Bevölkerung auch die Infrastruktur angepasst werden muss, um Verkehrsbelastungen zu verringern und Gemeinden zu entlasten. Gegner:innen kritisieren, dass ein Ausbau des Autobahnnetzes zu einem Anstieg des Verkehrsaufkommens führen würde und im Widerspruch zu den Klimazielen der Schweiz ist.

Im Bereich des öffentlichen Verkehrs wird derzeit intensiv über die Preisgestaltung diskutiert. Sollten beispielsweise die Fahrpreise für Kinder und Jugendliche oder für Senioren gesenkt werden? Einige Kantone in der Schweiz haben kantonale Preisrichtlinien eingeführt, um die Nutzung des ÖV zu fördern und die finanzielle Belastung zu verringern. Zum Beispiel können in Genf Personen unter 25 Jahren ab 2025 die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos nutzen. Dies führte zu einer Zunahme der Nutzung, hatte jedoch auch erhebliche finanzielle Auswirkungen. Befürworter:innen angepasster Preismodelle erwarten positive Klimaeffekte durch die Nutzung und weniger soziale Ungleichheit durch die Verringerung von Preisbarrieren. Kritiker:innen bemängeln die hohen finanziellen Kosten solcher Preismodelle und befürchten, dass dies zu einer Übernutzung der Infrastruktur führen könnte.

Welche Veränderungen im Verkehrssystem würdest du dir für deine Stadt wünschen? Mehr Radwege oder Bushaltestellen, weniger Verkehr oder günstigere Bahnpreise?

Fazit

Mobilität betrifft uns alle, weil sie den Alltag eines Landes in Bewegung hält – vom Arbeitsweg über Gütertransporte bis zur Nutzung von Freizeit- und Bildungsangeboten. Die Schweiz ist dabei besonders stark auf funktionierende Verkehrsnetze angewiesen, was sich sowohl in den steigenden Verkehrsleistungen als auch in politischen Debatten und Initiativen widerspiegelt. Verschiedene Akteure auf Bundes‑, Kantons‑ und Gemeindeebene sowie Unternehmen und Forschungseinrichtungen gestalten diese Mobilität gemeinsam. Technologische Entwicklungen, veränderte Bedürfnisse und neue Arbeitsmodelle beeinflussen den Verkehr stetig und prägen ihn weiter.

 

Erstellt von Leila Ballabio