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5. Mai 2026

Mobilität 2030+: Die Zukunft der Mobilität

Im ersten Blog-Teil haben wir gesehen, dass die Mobilität in der Schweiz sehr vielfältig ist sowie von vielen Organisationen und Anbietern möglich gemacht wird. Wir haben auch gesehen, dass wir alle täglich mit Mobilität in Berührung kommen. Werden wir aber ewig mit derselben Infrastruktur auskommen? Dazu möchten wir einen Blick in die Zukunft werfen.

Müssen wir Mobilität neu denken?

Die Mobilität in der Schweiz steht vor grossen Veränderungen. Bis 2050 will die Schweiz klimaneutral werden. Das bedeutet: Bis dann nur so viel CO₂ ausstossen wie von der Natur wieder aufgenommen werden kann. Das gilt gleichermassen für die Mobilität wie auch für viele andere Bereiche wie zum Beispiel Gebäude, Industrie und Landwirtschaft.

In den letzten Jahren hat sich im Bereich Mobilität schon viel verändert, zum Beispiel arbeiten viele Menschen heute flexibler, beispielsweise im Homeoffice. Das bestimmt, wann und wie wir unterwegs sind. Es wird deutlich, dass sich Mobilität und die Präferenzen der Gesellschaft kontinuierlich verändern. Viele wünschen sich, dass Mobilität schneller, zuverlässiger und günstiger wird. Doch das ist nicht einfach: Die Strassen und Züge sind zu Stosszeiten oft voll, die Umwelt leidet unter Abgasen und Lärm, und der Ausbau von neuen Strecken kostet viel Geld oder ist zum Beispiel wegen bereits bestehenden Gebäude nicht möglich.

Für 2050 wird vom Bundesamt für Raumentwicklung erwartet, dass der Personenverkehr um 11 % (proportional zur Bevölkerung) und der Güterverkehr um weitere 31 % zunehmen werden. In diesen Fällen wird prognostiziert, dass der Anteil der Strassennutzung für den Individualverkehr leicht zurückgehen und die Bahnnutzung leicht zunehmen wird. Darüber hinaus könnte eine flexiblere Work-Life-Balance die Nachfrage zu Stosszeiten verringern. Der Gütertransport wird jedoch erheblich zunehmen, insbesondere im Bereich der Lieferungen. Deshalb diskutieren Politik und Gesellschaft, wie Mobilität in Zukunft aussehen soll und wie wir sie gemeinsam nachhaltiger gestalten können.

 

Welche Entwicklungen hat die Mobilität in den letzten Jahren durchgemacht?

Die Mobilität in der Schweiz hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Digitalisierung hat das Reisen komfortabler gemacht: Echtzeitdaten, Apps und digitale Plattformen ermöglichen flexible Kombinationen verschiedener Verkehrsmittel, und Angebote wie Carsharing oder Bikesharing werden immer beliebter. Gleichzeitig wächst die Akzeptanz für Elektrofahrzeuge, wobei rund ein Drittel der Bevölkerung den Kauf eines Elektroautos erwägt. Auch Unternehmen setzen zunehmend auf Elektromobilität, obwohl der Ausbau der Ladeinfrastruktur – besonders ausserhalb der Städte – weiterhin eine Herausforderung bleibt (McKinsey Studie).

Die Unterschiede zwischen Stadt und Land sind deutlich: Während in urbanen Gebieten alternative Angebote wie ÖV und Mikromobilität gefördert werden, bleibt das Auto in ländlichen Regionen oft unverzichtbar. Die Siedlungsentwicklung konzentriert sich zunehmend auf die Agglomerationen, was das Verkehrsaufkommen auf den Hauptachsen weiter erhöht. Der demografische Wandel und neue Arbeitsmodelle wie das Homeoffice beeinflussen die Mobilitätsbedürfnisse zusätzlich. Während der Pandemie zeigte sich, dass flexible Arbeitszeiten und Homeoffice die Verkehrssysteme entlasten können, doch der Pendlerverkehr bleibt vor allem in den Agglomerationen ein zentrales Thema.

Die Zukunft unserer Infrastruktur hängt also stark davon ab, welche politischen Projekte genehmigt werden und welche nicht. Eines davon ist die Strategie des Bundesrates, mit der er festlegen will, welche Projekte in den Bereichen Schienen-, Strassen- und Agglomerationsverkehr bis 2045 mit hoher Priorität realisiert werden sollen. Ziel ist es, die Kapazitäten auf der Schiene zu erhöhen, Engpässe auf der Nationalstrasse zu reduzieren und Verkehrsprojekte in Agglomerationen zu fördern. Der Bundesrat will damit erstmals den Infrastrukturausbau über alle Verkehrsträger hinweg in einer gemeinsamen Vorlage bündeln.

 

Wie sieht der ÖV von morgen aus?

Auch der ÖV muss sich laufend an die Bedürfnisse und das Verhalten der Menschen anpassen, denn dieser steht in der Schweiz vor verschiedenen Herausforderungen. Dafür plant der Bund in den kommenden Jahren rund 3,4 Milliarden CHF für nationale und regionale Projekte bereitzustellen. Parallel dazu wird im Parlament (eines von vielen Beispielen ist die Interpellation von Nationalrätin Brenzikofer) über Preisreduktionen im ÖV und eine Attraktivitätssteigerung des ÖV diskutiert. Zudem gibt es in einigen Städten heute bereits günstige oder kostenlose ÖV-Angebote für Jugendliche. Auf kantonaler Ebene, beispielsweise in Neuenburg, Freiburg, Waadt, Genf und Zug, wurde über die Einführung eines kostenlosen ÖV abgestimmt, diese wurde jedoch meist abgelehnt. Befürworter:innen argumentieren, dass eine Einführung von ermässigten oder gar keinen Tarifen die soziale Gerechtigkeit verbessern, den Verwaltungsaufwand verringern und die regionale Attraktivität steigern würde. Zudem würde sie das Ziel der Schweiz unterstützen, die CO₂-Emissionen bis 2030 um 50 % zu senken. Gemäss Gegner:innen bestehen Risiken wie finanzielle Belastungen durch hohe Kosten, eine Überlastung des ÖV-Systems sowie unklare Auswirkungen auf die langfristigen Emissionen.

Die Bevölkerung der Stadt Zürich stimmte mit einer deutlichen Mehrheit zu für ein VBZ-Abo für 365 CHF. Somit würde ein Jahresabonnement für den öffentlichen Verkehr in der Zone 110 nur noch 365 CHF kosten (statt heute rund 809 CHF). Für Kinder und Jugendliche soll der Preis noch tiefer liegen (185 CHF). Ab wann und wie das Abo erhältlich sein wird, hängt noch vom Zürcher Stadtrat und dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) ab. Die Stadt Zürich trägt die Verantwortung für die Finanzierung der Tarifreduktion. Die verfügbaren Schätzungen rechnen die notwendigen Subventionen auf zirka 140 Millionen CHF pro Jahr. 

In der Stadt Kreuzlingen gibt es seit 2023 ein dreijähriges Pilotprojekt: «Eine Fahrt – Ein Franken». Dabei kostet ein Busticket innerhalb der lokalen Zone (OSTWIND Zone 256) nur 1 Franken pro Fahrt. Die ersten Erkenntnisse zeigen, dass sich die Verkäufe von Einzeltickets im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt oder verdreifacht haben in den ersten paar Monaten, was sich positiv auf das Busangebot ausgewirkt hat. Auch Monats- und Jahresabonnements nahmen deutlich zu (z. B. +50 % bei Jahresabos). Bei der Finanzierung kam es hingegen zu Problemen, die budgetierten Subventionen für 2024 genügten nicht, was ein Defizit von rund 500’000 CHF führte – dies wurde durch einen Spezialfonds für das Parkraummanagement ausgeglichen.

Gleichzeitig arbeitet die Branche an neuen, flexibleren Preissystemen wie beispielsweise myRIDE, das aktuell getestet wird und eine Abrechnung nach effektiv zurückgelegter Distanz vorsieht, um insbesondere Gelegenheitsfahrende besser anzusprechen und den Zugang zu vereinfachen. Als Ergänzung dazu werden auch Kombi-Angebote zunehmend verbreiteter. Darunter fällt zum Beispiel Park+Rail oder RailAway, das mittlerweile von den SBB und einigen regionalen ÖV-Betrieben angeboten wird.

 

Auto der Zukunft: sauberer, geteilter, digitaler?

Wie der ÖV geht auch das Auto mit der Zeit. Das betrifft besonders die Treibstoffeffizienz und die Verbreitung von Sharing-Modellen. Doch nebst den Entwicklungen beim Auto selber gibt es auch noch die dazugehörige Infrastruktur wie Strassen und Tunnel, die ebenfalls mit den Entwicklungen Schritt halten müssen. Gehen wir der Reihe nach durch diese Punkte durch.

Das Auto im Bereich der Elektromobilität: Heute verbraucht ein durchschnittliches Auto weitaus weniger Treibstoff, als es zum Beispiel noch vor 20 Jahren der Fall war. Durch den rasanten technologischen Fortschritt sind also Autos heute weitaus effizienter geworden. Das schont einerseits die Umwelt und andererseits das eigene Portemonnaie. Im Zuge dieses technologischen Fortschritts haben sich auch neue Möglichkeiten eröffnet, wie beispielsweise die Elektromobilität. Der Anteil der rein elektrisch angetriebenen Autos ist in den letzten Jahren konstant gestiegen. Dennoch gibt es trotz Wachstum weiterhin Hürden, denn viele Menschen sorgen sich weiterhin um Reichweite und Ladeinfrastruktur. Doch der Trend bleibt weiterhin positiv, und eine Mehrheit der Schweizer Autofahrer erwägt beim nächsten Kauf ein Hybrid- oder Elektroauto.

Car-sharing Modelle: Neben Elektroautos werden auch Sharing-Modelle wichtiger – also Fahrzeuge, die man teilt statt besitzt. Das bekannteste Beispiel ist Mobility, bei dem man ein Fahrzeug ausleihen kann und auf Basis der Mietdauer und gefahrenen Distanz bezahlt. Auf diesem Weg spart man sich die Anschaffungskosten eines Autos, ist aber gleichzeitig darauf angewiesen, dass ein Mietauto verfügbar ist.

Auslage der bestehenden Infrastruktur: Damit man mit dem Auto von A nach B kommt, braucht es dann natürlich auch noch die richtige Infrastruktur wie Strassen, Tunnel und Brücken. Gleichzeitig sind diese häufig überlastet und es entsteht Stau. Im Jahr 2023 wurden fast 50’000 Staustunden gemessen, wobei 86,7 % davon auf Verkehrsüberlastung zurückzuführen waren. Ein geringer Teil der Staustunden entfällt z. B. auch noch auf Baustellen.

Wie man auf diese Verkehrsüberlastungen reagieren soll, wird in der Öffentlichkeit immer wieder diskutiert. Sollten wir das Autofahren weniger attraktiv machen und den ÖV weiter ausbauen? Sollten wir mehr in die Strasseninfrastruktur investieren oder intelligente Fahrzeuge einsetzen, um den Verkehr zu regulieren? Eine einfache Antwort gibt es auf diese Frage nicht.

In der Strategieumsetzung «Verkehr ‘45» legt der Bundesrat verschiedene Projekte fest im Bereich des Autobahnausbaus. Das Nationalstrassennetz ist derzeit nach wie vor eine wertvolle Ressource für den Personen- und Güterverkehr. Um die Effizienz zu steigern, müssen Engpässe auf den Autobahnen und Überkapazitäten beseitigt werden. Insbesondere der Lösung der Kapazitätsprobleme auf der A1 wird derzeit höchste Priorität eingeräumt und soll mit dem Ausbauschritt 2027 adressiert werden. Allerdings können Projekte im Zusammenhang mit dem Nationalstrassenausbau stark politisiert sein.

 

Was meint die Politik dazu?

Die Befürworterseite argumentiert, dass mit steigender Nachfrage auch ein steigendes Angebot einhergehen muss. Anders ausgedrückt: Sind mehr Leute mit dem Auto unterwegs, braucht es dafür auch eine entsprechend grössere Infrastruktur. Dazu zählen z. B. mehr Spuren auf den Autobahnen und eine bessere Verkehrsführung. Die Gegenseite befürwortet hingegen einen gut ausgebauten ÖV und befürchtet eine langfristige Anziehungskraft von zusätzlicher Strasseninfrastruktur und kritisiert die hohen Kosten solcher Projekte. Hier wird also umgekehrt argumentiert: Gibt es erst einmal eine bessere Infrastruktur, wird dies nur noch mehr Menschen mit Auto anlocken. Zudem kommt die Frage der Umweltbelastung in den Alpenregionen. Dies steht im Widerspruch zur Schweizer Verlagerungspolitik, die das Ziel verfolgt, Transitgüterverkehr von der Strasse auf die Bahn zu verlagern (Alpeninitiative).

Und das Velo?

Gerade in Städten und Agglomerationen erfreut sich das Velo immer grösserer Beliebtheit. Es gewinnt an Bedeutung für Alltag, Gesundheit und städtische Mobilität, was den Ausbau sicherer und klar geführter Veloinfrastruktur zunehmend in den Fokus rückt. Parallel dazu wächst die Nutzung von Mikromobilitätsangeboten wie E‑Trottis, E‑Bikes und Cargo‑Bikes, die zwar zusätzliche Flexibilität bieten, jedoch auch neue Herausforderungen im Strassenraum mit sich bringen. In der politischen Diskussion steht unter anderem die Frage einer möglichen Wiedereinführung der Velovignette.

Vignette vélo CH 2010-2011 von Wikimedia Commons, Bild von: MHM55

Die Velovignette war bis 2012 (dann wurde sie abgeschafft) für jedes Velo Pflicht, weil früher eine separate Haftpflichtversicherung für Velos in der Schweiz obligatorisch war. Da aber immer mehr Velofahrende über ihre eigene Haftpflichtversicherung für Schäden, die sie an anderen Personen und Sachen mit dem Velo verursachten, versichert waren, wurde die Velovignette vor über 14 Jahren abgeschafft.

Aufgrund der hohen Kosten, die mit dem Ausbau von Radwegen verbunden sind, würde eine neue Velovignette es ermöglichen, dass Radfahrer:innen sich an den Kosten für die Infrastruktur beteiligen. Momentan beteiligen sich Auto- und Motorradfahrende, die durch die Mineralölsteuer, Verkehrsabgaben und Autobahnvignette die Verkehrsinfrastruktur finanzieren. Der Bundesrat hat aufgrund offener Punkte wie Preisgestaltung, Erhebung und Zweckbindung die Einführung in 2025 nicht weiterverfolgt (SRF).

Fazit

Nachdem wir im ersten Blog gesehen haben, was alles unter die Mobilität fällt und welche Entwicklungen stattgefunden haben, konnten wir im zweiten Blog etwas in die Zukunft schauen. Obwohl vieles noch unsicher ist, wird eines klar: Die Mobilität der Zukunft wird sich weiterentwickeln müssen, um mit den Bedürfnissen der Bevölkerung mithalten zu können. Die zukünftige Entwicklung der Mobilität hängt stark von politischen Entscheidungen, Investitionen und dem Zusammenspiel verschiedener Verkehrsträger ab.

 

Erstellt von Georgios Spinthakis