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12. Mai 2026

Änderung des Zivildienstgesetzes: Warum darüber abgestimmt wird

In der Schweiz steht im Juni eine wichtige Abstimmung an, deren Thema auch viele junge Menschen betrifft: Es geht um den Zivildienst. Dabei handelt es sich aber nicht einfach um eine neue Gesetzesänderung, sondern um ein Referendum dagegen. Was diese Abstimmung genau bedeutet und was die Gründe für und gegen diese Änderung sind, erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.

Was ist der Zivildienst?

Grundsätzlich kann man statt des Militärdiensts einen Zivildienst absolvieren, wenn ersteres nicht mit dem eigenen Gewissen vereinbar ist. Um diesen alternativen Zivildienst machen zu dürfen, muss man ein Gesuch stellen und genau erklären, weshalb man den Militärdienst nicht leisten möchte. Diese Möglichkeit ist in der Bundesverfassung verankert und wird im Zivildienstgesetz konkret geregelt. Allerdings ist der Zivildienst keine freie Alternative, sondern ausdrücklich für Personen gedacht, die einen Gewissenskonflikt haben.

Konkret umfassen die Tätigkeiten von Zivildienstleistenden Bereiche, in denen wichtige Aufgaben im öffentlichen Interesse erfüllt werden müssen, aber zu wenig Ressourcen vorhanden sind. Dazu gehören beispielsweise das Gesundheits- und Sozialwesen, der Umwelt- und Naturschutz und die Landwirtschaft.

Geleistete Diensttage. Quelle: https://www.zivi.admin.ch/de/zahlen-und-fakten

Was ist die Ausgangslage?

Die Dauer des Einsatzes beim Zivildienst beträgt 1,5-mal so viele Tage wie der Militärdienst, um keine falschen Anreize zu setzen. Trotzdem sind die Zahlen für die Zulassungen zu diesem zivilen Ersatzdienst seit Jahren relativ hoch.

Im Herbst 2025 hat das Parlament eine Änderung des Zivildienstgesetzes beschlossen. Diese Reform wollte die Regeln für die Zulassung zum Zivildienst deutlich verschärfen. Doch bevor das Gesetz in Kraft treten konnte, wurde das Referendum ergriffen.

Das heisst konkret: Die Bevölkerung kann nun selbst darüber entscheiden, ob diese Änderungen umgesetzt werden sollen oder nicht. Wenn du «Ja» stimmst, treten die neuen Regeln in Kraft. Wenn du «Nein» stimmst, bleibt alles so, wie es heute ist.

Es geht also nicht darum, eine neue Idee einzuführen, sondern darum, ob eine bereits beschlossene Verschärfung wirklich umgesetzt werden soll.

Warum will das Parlament das Gesetz ändern?

Der Ausgangspunkt für die Reform war eine Entwicklung, die Politik und Behörden schon länger beschäftigt: Immer mehr Menschen wechseln vom Militär in den Zivildienst. Häufig passiert das nach der Rekrutenschule oder nachdem bereits ein grosser Teil des Militärdienstes geleistet wurde (Quelle).

Für den Bundesrat und die Mehrheit im Parlament ist das ein Problem. Sie argumentieren, dass der Zivildienst eigentlich nur für Menschen gedacht ist, die aus Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten können. In der Praxis werde er aber zunehmend auch aus anderen Gründen gewählt, zum Beispiel, weil er besser planbar oder aus anderen Gründen attraktiver erscheint.

Dahinter steht ein grundsätzlicher Punkt: Laut Verfassung soll es keine freie Wahl zwischen Militärdienst und Zivildienst geben. Der Zivildienst ist als Ausnahme gedacht, nicht als gleichwertige Alternative.

Die Reform wollte deshalb sicherstellen, dass diese Ausnahme wieder strenger gehandhabt wird.

Welche Änderungen sieht die Reform des Zivildienstgesetzesvor?

Die geplante Gesetzesänderung besteht aus mehreren Massnahmen, die alle in eine ähnliche Richtung gehen: den Wechsel in den Zivildienst schwieriger machen, vor allem für Personen, die sich erst spät dafür entscheiden.

Ein besonders wichtiges Element ist die Einführung einer Mindestdauer. Wer nach der Rekrutenschule in den Zivildienst wechseln will, sollte mindestens 150 Tage leisten müssen, selbst dann, wenn im Militär nur noch wenige Tage offen gewesen wären. Das würde den späten Wechsel deutlich unattraktiver machen.

Auch bei Personen mit Verantwortung in der Armee, also Unteroffizieren oder Offizieren, würden die Anforderungen steigen. Sie müssten ebenfalls konsequent mehr Diensttage leisten als bisher, was einen Wechsel zusätzlich erschweren würde.

Ein weiterer Punkt betrifft Medizinstudierende. Bis jetzt konnten sie den Zivildienst oft nutzen, um praktische Erfahrungen in ihrem Fachbereich zu sammeln. Genau diese Möglichkeit soll durch die Massnahmen gestrichen werden, weil die Armee selbst auf medizinisches Personal angewiesen ist.

Zudem soll verhindert werden, dass Personen ganz am Ende ihrer Dienstpflicht noch in den Zivildienst wechseln. Dies ist in der Ausgangslage attraktiv, da damit die jährliche Schiesspflicht umgangen werden kann. Wer bereits alle Militärdiensttage geleistet hat, dürfte künftig gar nicht mehr wechseln.

Auch organisatorisch sieht die Reform eine stärkere Angleichung des Zivildienstes an das Militär. Zivildienstleistende sollen ihre Einsätze regelmässiger leisten, also praktisch jedes Jahr. Und wer schon während der Rekrutenschule gewechselt hat, würde verpflichtet, den langen Zivildiensteinsatz relativ schnell abzuschliessen.

Zusammengenommen würden diese Änderungen den Zivildienst klar weniger flexibel und in vielen Fällen auch weniger attraktiv machen.

Warum gibt es Widerstand gegen diese Änderungen?

Genau hier setzt das Nein-Komitee an. Verschiedene Organisationen und politische Gruppen fanden, dass diese Reform zu weit geht und haben deshalb Unterschriften gesammelt, damit die Bevölkerung darüber abstimmen kann.

Diese Gegner:innen der Reform kritisieren vor allem, dass der Zivildienst durch die neuen Regeln stark geschwächt würde. Ihrer Meinung nach ist er heute eine wichtige Säule für viele Bereiche der Gesellschaft. Zivildienstleistende arbeiten in Spitälern, Pflegeheimen, sozialen Einrichtungen oder im Umwelt- und Naturschutz. Wenn es deutlich weniger von ihnen gibt, könnten genau diese Bereiche Probleme bekommen.

Ausserdem bezweifeln sie, dass die Reform tatsächlich das Ziel erreicht, die Armee zu stärken. Stattdessen könnte sie dazu führen, dass sich mehr junge Menschen ganz vom Dienstpflichtsystem abwenden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die grundsätzliche Haltung hinter der Reform. Für viele Gegner:innen ist der Zivildienst nicht einfach eine Ausnahme, sondern eine sinnvolle und gleichwertige Form des Engagements für die Gesellschaft. Sie sehen die strengeren Regeln deshalb als unfair oder sogar als eine Art Abschreckung.

Wie sehen das die Befürworter:innen?

Die Befürwortenden der Reform, also jene, die beim Referendum ein «Ja» empfehlen, setzen einen anderen Schwerpunkt. Für sie ist entscheidend, dass die Armee genügend Personal hat und ihre Aufgaben erfüllen kann.

Sie argumentieren, dass die steigenden Zahlen im Zivildienst zeigen, dass das System aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wenn immer mehr Menschen wechseln, und das teilweise erst spät, verliere die Armee wichtige Fachkräfte und investierte Ausbildungszeit.

Aus ihrer Sicht ist es deshalb notwendig, klare Grenzen zu setzen. Der Zivildienst soll weiterhin möglich sein, aber nur für diejenigen, die wirklich aus Gewissensgründen nicht ins Militär können. Die Reform sei also keine Abschaffung, sondern eine Rückkehr zum ursprünglichen Zweck.

Warum ist diese Abstimmung so wichtig?

Diese Abstimmung geht über technische Gesetzesdetails hinaus. Sie berührt grundlegende Fragen darüber, wie die Schweiz ihr Dienstpflichtsystem organisiert und welche Werte dabei im Vordergrund stehen.

Es geht um das Verhältnis zwischen Pflicht und persönlicher Überzeugung. Es geht darum, wie viel Freiheit junge Menschen bei der Wahl ihres Dienstes haben sollen. Und es geht auch darum, welche Rolle verschiedene Formen von Engagement, militärisch oder zivil, in unserer Gesellschaft spielen.

Gerade für junge Menschen ist das besonders relevant, weil sie diejenigen sind, die dieses System in Zukunft direkt betreffen wird.

Was meinst du?

Soll der Zivildienst wieder strenger geregelt werden, damit er wirklich nur noch eine Ausnahme bleibt? Oder ist es wichtig, dass er als flexible und attraktive Möglichkeit bestehen bleibt, sich für die Gesellschaft einzusetzen? Mit dem Referendum hast du die Möglichkeit, auch selbst genau darüber zu entscheiden.

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Bei Discuss it schreiben wir aber nicht nur Blogs, wir setzen uns aktiv für die politische Bildung von jungen Menschen ein und organisieren dazu Podiumsdiskussionen zwischen Politiker:innen und Jugendlichen. Dazu zählen wir auf das Engagement von vielen jungen Freiwilligen.

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Erstellt von Daniela Weigl