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5. Mai 2026

«Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)»

Neunmillioneneinundfünfzigtausend oder 9’051’000. Das ist die Zahl der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz Ende 2024. 78’256 Kinder wurden geboren. 71’942 Personen sind verstorben. 730’387 Personen sind zugezogen und 647’595 weggezogen. Das Ergebnis: 2024 waren 88’800 Menschen mehr in der Schweiz als im Vorjahr. Die Schweiz wächst – zu schnell? Sollte das Wachstum der Bevölkerung begrenzt werden, oder kommt es vielmehr darauf an, wie wir damit umgehen? Am 14. Juni 2026 öffnet die Schweiz ihre Stimmurnen. Und auf dem Stimmzettel steht  die Frage: Wollen Sie die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» annehmen?

Neunmillioneneinundfünfzigtausend oder 9’051’000. Das ist die Zahl der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz Ende 2024. 78’256 Kinder wurden geboren. 71’942 Personen sind verstorben. 730’387 Personen sind zugezogen und 647’595 weggezogen. Das Ergebnis: 2024 waren 88’800 Menschen mehr in der Schweiz als im Vorjahr. Die Schweiz wächst – zu schnell? Sollte das Wachstum der Bevölkerung begrenzt werden, oder kommt es vielmehr darauf an, wie wir damit umgehen? Am 14. Juni 2026 öffnet die Schweiz ihre Stimmurnen. Und auf dem Stimmzettel steht  die Frage:

Wollen Sie die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» annehmen?

Ein Blick zurück
Am 8. Mai 2024 ist die Nachhaltigkeitsinitiative mit 114’430 Unterschriften zustande gekommen. Im Herbst und Winter 2025 hat sich der National- und Ständerat mit der neuen Initiative befasst und sich beraten. Im Juni 2026 stimmen wir darüber ab.

Inhalt der Initiative

Die Initiative enthält folgende Punkte und Forderungen:

Punkt 1: Ständige Wohnbevölkerung
Vor dem Jahr 2050 darf die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz nicht zehn Millionen Menschen übersteigen. Ab 2050 kann der Bundesrat den Grenzwert dann jährlich um den Geburtenüberschuss anpassen. Der Bund stellt sicher, dass der Grenzwert eingehalten wird.

Ständige Wohnbevölkerung beinhaltet alle schweizerischen Staatsangehörigen mit einem Hauptwohnsitz in der Schweiz sowie alle ausländischen Staatsangehörigen mit einem Aufenthaltstitel für mindestens zwölf Monate oder mit einer Aufenthaltsdauer in der Schweiz von mindestens zwölf Monaten.

Punkt 2: Zusammenarbeit Bund und Kantone
Der Bund sowie die Kantone sollen sich für folgende Punkte einsetzen:
– nachhaltige Bevölkerungsentwicklung
– Umweltschutz und dass natürliche Lebensgrundlagen erhalten bleiben
– funktionierende Infrastrukturen
– Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung
– gute Sozialversicherungen

Punkt 3: Die Übergangsbestimmungen
Wenn die ständige Wohnbevölkerung vor dem Jahr 2050 höher als neuneinhalb Millionen Menschen ist, sollen der Bundesrat und die Bundesversammlung im Rahmen ihrer Zuständigkeiten Massnahmen ergreifen. Diese sind dazu da, dass der Grenzwert von zehn Millionen Menschen (siehe Punkt 1) nicht übertroffen wird. Die angedachten Massnahmen kannst du hier nachlesen.

Den originalen Initiativtext findest du unter diesem Link.

Wie sieht die Bevölkerung der Schweiz aus?
Seit 1900 hat sich die Bevölkerungszahl der Schweiz fast verdreifacht. Von 3.3 Millionen ist sie auf über 9 Millionen Menschen gestiegen. Mit einem ausländischen Bevölkerungsanteil von 27% hat die Schweiz einen der höchsten in Europa. Von diesem ausländischen Bevölkerungsanteil sind Italien mit 14.5%, Deutschland mit 13.8% und Portugal mit 11% an vorderster Stelle. Die Bevölkerung der Schweiz wohnt vorwiegend in Städten.
Ein Blick ins Ausland zeigt, dass über 813’000 Schweizerinnen und Schweizer im Ausland leben.
Schautman bezüglich des das Bevölkerungswachstums auch auf die Personenfreizügigkeit (das Freizügigkeitsabkommen), so lässt sich folgendes feststellen: Seit der Einführung im Jahr 2002 ist die Bevölkerung um rund 1.7 Millionen Menschen gewachsen. Laut dem Bund sind 80 Prozent aufgrund der Zuwanderung zurückzuführen.

Quelle: www.nachhaltigkeitsinitiative.ch

Das sagen die Befürworter:innen der Initiative

Sehr hohe Zuwanderung
Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. So ist die Zahl innerhalb von 12 Jahren um 1 Million gestiegen. Pro Jahr kommen aus der EU, aus Drittstaaten oder über das Asylsystem über 100’000 Menschen neu in die Schweiz. Demnach steigt die Bevölkerungszahl vor allem aufgrund der Einwanderung. Viele der Menschen sind auf Unterstützung angewiesen und nehmen unseren Sozialstaat in Anspruch.

Wohnungsnot
Die Wohnungsnot ist ein bekanntes Thema. Mieten werden immer teurer und Schweizerinnen und Schweizer können sich seltener Wohneigentum kaufen. Und das, obwohl  immer mehr Landschaft verbaut wird. Hauptgrund für die Wohnungsnot ist die Zuwanderung.

Natur und Landwirtschaft unter Druck
Mehr Menschen brauchen mehr Platz und vor allem mehr Wohnraum. Das führt dazu, dass mehr Landschaft verbaut werden muss und damit Grünflächen und Wiesen verschwinden. Darunter leiden Natur, Ökologie und auch die Lebensqualität.

Schule – deutlich ausgelastet
Durch die Zuwanderung sind in den Schulklassen mehr fremdsprachige Kinder. Das Bildungsniveau sinkt und ein Viertel der Schweizer Schulabgängerinnen und Schulabgänger hat Mühe beim Lesen. Der gute Ruf des Schweizer Bildungssystem könnte sich/ scheint sich zu verändern.

Fachkräftemangel
Der Fachkräftemangel bereitet der Schweiz schon länger Sorgen. Durch die Zuwanderung gerät dieser noch mehr unter Druck. Mehr Menschen brauchen mehr Gesundheitsversorgung.

Keine 10-Millionen-Schweiz
Die Obergrenze von 10-Millionen Menschen ist vernünftig. Jährlich können immer noch 40’000 Fachkräfte einreisen.

Quelle: www.nein-chaos.ch

Das sagen die Gegner:innen

Weniger Wohlstand
Die Schweiz ist auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Unternehmen müssen Menschen aus dem Ausland rekrutieren können, damit unsere Wirtschaft funktioniert. Durch eine Begrenzung der Zuwanderung ist unser Wohlstand gefährdet.

Gesellschaftliche Probleme
Nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft würde unter dieser Initiative leiden. Viele der zugewanderten Menschen arbeiten im Gesundheitssektor. Kranke Menschen in Pflegeeinrichtungen und Spitälern können dann nicht mehr versorgt werden. Aber nicht nur die Gesundheitsbranche ist betroffen, sondern auch der Bau und in der Folge unsere Infrastrukturen.

Unsichere Beziehungen zur EU
Unser bilateraler Weg zur EU hat sich seither bewährt. Das funktioniert aber nur durch die gute Zusammenarbeit und das Vertrauen. Die Initiative ist gerade in dieser unsicheren Zeit ein grosses Risiko für die Zusammenarbeit.

Weniger Sicherheit
Die Schengen-Zusammenarbeit mit der EU gibt der Schweiz den Zugriff auf Datenbanken der EU, die helfen Kriminalität einzudämmen. Wenn die Zusammenarbeit infolge der Initiative beendet würde, erschwert sie den Kampf gegen die Kriminalität und den Terrorismus.

Mehr Asylgesuche
Das Dublin-Abkommen hemmt die Zahl der Asylsuchenden in der Schweiz. Dieses Abkommen würde infolge der Initiative wegfallen. Damit würde die Zahl der Asylsuchenden steigen. Denn wenn ein Asylgesuch im EU-Raum abgewiesen wird, kann die Person in die Schweiz einreisen und ein neues Gesuch stellen. Es entstehen Mehrkosten von hunderten Millionen Franken.

Humanitäre Tradition gefährdet
Angenommen die Schweiz nimmt die Initiative an, dann müsste sie die Abkommen zum Schutz der Menschenrechte neu aushandeln. So isoliert sich die Schweiz und verliert an Glaubwürdigkeit.

Probleme statt Lösungen
Der Bundesrat sieht die Herausforderungen mit der Zuwanderung bereits jetzt und ist mit Lösungen beschäftigt: Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus, Reduktion der Asylgesuche, Förderung inländischer Arbeitskräfte und Bilaterale III. Die Initiative dagegen bringt neue Probleme hervor.

Das sagt der Bundesrat und das Parlament

Der Bundesrat und das Parlament empfehlen die Initiative abzulehnen. Mit 123 Nein zu 67 Ja Stimmen bei 6 Enthaltungen im Nationalrat und 30 Nein zu 9 Ja Stimmen bei 5 Enthaltungen im Ständerat ist das Ergebnis klar.

Und was sagst du?

Und wenn ich nun Frage: Wollen Sie die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» annehmen? Was antwortest du?

Erstellt von Yael Länzlinger