Volksinitiative «200 Franken sind genug! (SRG-Initiative)»
Am 8. März 2026 wird in der Schweiz über die Volksinitiative «200 Franken sind genug!» (SRG-Initiative) abgestimmt. Die Initiant:innen wollen die SRG-Gebühr reduzieren und Unternehmen von der Medienabgabe befreien. Worum es bei der Initiative genau geht und welche Argumente dafür und dagegen sprechen, erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.
Was sind die SRG und die SRG-Gebühr?
Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) wurde 1931 gegründet und hat ihren Sitz in Bern. Sie ist ein Verein und das grösste Medienunternehmen der Schweiz. Die SRG betreibt Radio, Fernsehen und Online-Angebote in allen vier Landessprachen und ist damit in der ganzen Schweiz präsent. Zu ihr gehören unter anderem SRF, RTS, RSI, RTR und Swissinfo. Ihr Auftrag ist es, die Bevölkerung zu informieren, zu bilden, zu unterhalten und kulturelle Inhalte anzubieten. Dabei soll die SRG sicherstellen, dass alle Regionen und Sprachgemeinschaften Zugang zu qualitativ hochwertigen Medien haben, auch dort, wo private Medien weniger stark vertreten sind. Zudem fördert sie den Austausch zwischen den verschiedenen Sprachregionen. Dieser Auftrag wird als «Service public» bezeichnet und soll zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Schweiz beitragen.
Finanziert wird die SRG hauptsächlich über die sogenannte SRG-Gebühr (die sogenannte Haushaltsabgabe). Sie beträgt derzeit 335 Franken pro Haushalt und Jahr und richtet sich geräteunabhängig an alle Haushalte. Das bedeutet: Ob du viel oder kaum SRG-Programme nutzt – die Abgabe fällt für alle an. Auch Unternehmen bezahlen eine Abgabe, je nach Umsatz.
Die Schweiz hat mit der SRG ein besonderes Mediensystem. Obwohl die SRG rund 1,56 Milliarden Franken einnimmt, ist das im internationalen Vergleich eher wenig, wenn man bedenkt, was sie alles leistet. In grossen Ländern wie Deutschland oder Grossbritannien verteilen sich die Kosten auf viel mehr Menschen. In der Schweiz müssen dieselben Fixkosten von einer kleineren Bevölkerung getragen werden, deshalb ist die Gebühr pro Haushalt höher.
Dazu kommt, dass die SRG-Programme in vier Sprachen produziert werden. In den meisten Ländern gibt es nur eine Hauptsprache, in der Schweiz braucht es aber Angebote für Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Das macht das System aufwändiger und teurer. Auch die hohen Löhne und Lebenshaltungskosten in der Schweiz sowie der kleine Werbemarkt spielen eine Rolle. Deshalb ist das Schweizer System im Vergleich zu anderen Ländern besonders.
Was möchte die Initiative ändern?
Die Initiative fordert, dass die SRG-Gebühr für private Haushalte künftig auf 200 Franken pro Jahr gesenkt wird. Unternehmen sollen künftig ganz von den Abgaben befreit werden. Auch darf laut Initiativtext der Gesamtbetrag der Gebühreneinnahmen nicht mitwachsen, falls die Zahl der Haushalte in der Schweiz zunehmen sollte. Stattdessen sollen die Gebühren dann entsprechend gesenkt werden. Nicht verändern sollen sich hingegen die relativen Anteile der Sprachregionen an den Medieneinnahmen. Die Initiative schreibt schliesslich auch fest, dass die Gebührensenkung nicht auf Kosten von privaten Medienunternehmen erfolgen soll. Lokalradios und Regionalfernsehen würden weiterhin gleich viel Geld erhalten wie bisher.
Das sagen die Befürwortenden
Das Initiativkomitee setzt sich überparteilich zusammen und reicht im bürgerlichen Lager von der SVP bis zur FDP. Die Initiant:innen argumentieren, dass die heutigen SRG-Gebühren zu hoch seien. Mit 335 Franken pro Jahr bezahle die Schweizer Bevölkerung im internationalen Vergleich sehr viel für Radio und Fernsehen. Viele Menschen würden klassische Radio- und Fernsehangebote weniger nutzen als früher, weshalb eine Reduktion auf 200 Franken als angemessene und zeitgemässe Entlastung für die Haushalte betrachtet wird. Auch junge Menschen sollen nach Ansicht der Befürwortenden profitieren. Da sie vermehrt Netflix, Disney+ und Co. nutzen und kaum noch TV schauen, sei die Gebühr für sie unfair.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Abschaffung der Abgabe für Unternehmen. Diese müssten heute teilweise hohe Beiträge bezahlen, obwohl sie das Medienangebot nicht wie Privatpersonen konsumieren könnten.
Zudem betonen die Initiant:innen die Bedeutung privater Medienanbieter und fordern eine stärkere Begrenzung der Macht der SRG. Sie kritisieren die heutige Organisations- und Aufsichtsstruktur und verlangen mehr Transparenz und Kontrolle. Ihrer Meinung nach soll sich die SRG wieder stärker auf ihren Kernauftrag, den Service public, konzentrieren. Inhalte wie Unterhaltungsformate oder spezielle Jugend- und Musiksender könnten auch von privaten Medien angeboten werden und stünden heute in direkter Konkurrenz zu ihnen.
Insgesamt sehen die Befürwortenden in der Initiative einen Beitrag zu einer moderneren, gerechteren und effizienteren Medienfinanzierung.
Das sagen die Gegner:innen
Die Gegner:innen der Initiative betonen, dass starke und verlässliche Medien gerade in Krisenzeiten unverzichtbar seien. Eine gut finanzierte SRG ermögliche es, die Bevölkerung schnell, unabhängig und verlässlich zu informieren. Eine starke Kürzung der Mittel könnte ihrer Meinung nach diese Aufgabe gefährden. Zudem verweisen sie auf die Bedeutung der SRG für den nationalen Zusammenhalt.
Die Gegner:innen warnen davor, dass die SRG nicht mehr in der Lage wäre, in allen Sprachregionen ein gleichwertiges Programm anzubieten. Sie sorgen sich insbesondere um die Regionen, in denen die Medienvielfalt bereits gering ist, namentlich um die französische, italienische und rätoromanische Region.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Schutz vor Desinformation. Die SRG stehe für geprüfte Fakten und verlässlichen Journalismus, was für eine funktionierende Demokratie zentral sei.
Ausserdem sichere die Gebührenfinanzierung die Unabhängigkeit der SRG von Klickzahlen, Werbung und wirtschaftlichen Interessen. Eine Annahme der Initiative würde laut Gegner:innen zu massiven Sparmassnahmen führen, wodurch Informationsangebote, Kultur, Unterhaltung und Sport stark eingeschränkt würden.
Bundesrat und Parlament lehnen die SRG-Initiative ab, weil sie ihnen zu weit geht. Gleichzeitig sehen sie aber ebenfalls Reformbedarf bei der SRG. Deshalb schlagen sie ein Gegenprojekt vor. Dieses sieht vor, sowohl Privathaushalte als auch Unternehmen finanziell zu entlasten, ohne die Finanzierung der SRG so stark zu kürzen, wie es die Initiative verlangt.
Zudem möchte der Bundesrat den Auftrag der SRG klarer ausrichten. In Zukunft soll sie sich vor allem auf Information, Kultur und Bildung konzentrieren. In den Bereichen Unterhaltung und Sport soll die SRG zurückhaltender auftreten und hauptsächlich dort Angebote machen, wo private Schweizer Medien diese nicht oder nur ungenügend abdecken.
Und was hältst du von der SRG-Initiative?
Wie oft nutzt du das Angebot der SRG? Und was überwiegt für dich: die finanzielle Entlastung durch tiefere Gebühren oder der Erhalt einer stark finanzierten SRG? Am 8. März entscheidest du mit.
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